Evangelische Johanneskirche Mindelheim

Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Mindelheim

 

Geschichte & Historie

Fast 2000 Jahre geht die Geschichte der Christen zurück. Nicht ganz so alt ist die Geschichte unserer Mindelheimer Gemeinde. Aber manches gibt es doch zu erzählen aus früheren Zeiten. Lesen Sie, wie das bisher war mit den Evangelischen in Mindelheim.

Aus der Geschichte der evangelischen

Gemeinde Mindelheim

von 1830-98

Man schrieb das Jahr 1830. An einem Sonntagmorgen sehr früh wanderten auf der Landstraße von Mindelheim nach Westen 8 Menschen, Männer und Frauen. Sie trugen Feiertagskleider und auch ihren Gesichtern sah man an, daß heute eine besondere feierliche Stimmung in ihnen lebte. Sie überquerten gerade das ehemalige Schlachtfeld aus dem Jahre 1796 bei Oberkammlach, als vom Turm der katholischen Pfarrkirche die Glocken läuteten. Wie ein herzerfrischendes Vorgeläute einer nahen Feststunde erschien es ihnen. Sie waren auf dem Weg nach dem 11 km entfernten Erkheim. Um 9 Uhr wollten sie dort in der evangelischen Kirche den Ge­meindegottesdienst besuchen und hernach die Feier des heiligen Abendmahls mit erleben. Eine große Sehnsucht nach dieser glaubensbrüderlichen Gemeinschaft bewegte ihr Herz. Es waren evangelische Christen aus Mindelheim, die Anschluß suchten an eine evangelische Gemeinde. Als sie am Nachmittag dankerfüllt heimgekehrt waren, ahnten sie wohl nicht, daß dieser Tag einmal kirchengeschichtliche Bedeutung bekommen sollte. Er kann nämlich so ungefähr als der Geburtstag der jetzigen evangelischen Gemeinde in Mindelheim angesehen werden. Denn um diese Zeit waren die ersten Evangelischen in das Mindelheimer Gebiet gekommen. und hatten sich heute durch den Gang zum Tisch des Herrn bekenntnismäßig zu der Anfangszelle einer evangelischen Gemeinde zusammengefunden. Schon 1831 wanderte mit ihnen den gleichen Weg nach Erkheim auch noch ein Glaubensgenosse aus Türkheim und 1832 einer aus Apfeltrach. Langsam wuchs die kleine Schar. 1851 legte das erste evangelische Mädchen aus Mindelheim in der Kirche zu Erkheim ihr Konfirmationsgelübde ab und 1856 brachten glückliche Eltern ihr in Mindelheim. geborenes Kindchen zur heiligen Taufe in die evangelische Kirche nach Erkheim. Jahr für Jahr strömten neue. evangelische Glaubensgenossen in Mindelheim und Umgebung ein und ließen sich als arbeitsame Menschen nieder, unter anderem auch in den Dörfern Dirlewang, Apfeltrach, Erisried, Kirchdorf, Pfaffenhausen und Mattsies. Mit Unterstützung des evangelischen Bezirks­awtmannes Dr. Hugo Döderlein von Mindelheim, des „Mitbegründers und unermüdlich tätigen furchtlosen und trefflichen Beraters, Förderers und Beschützers", wurden dann 1864 die 76 evangelischen Glaubensgenossen (etwa 40 davon in Mindelheim wohnhaft) in die Pfarrei Erkheim ein­geplärrt. Ihr sehnlichster Wunsch nach einem eigenen Gottesdienst in Mindelheim ging auch bald in Erfüllung. Durch die Fürsprache Döderleins stellte die Stadt Mindelheim für die Abhaltung der Gottesdienste einen Saal zur Verfügung, im 2. Stock des ehemaligen Schrannengebäudes, jetzt Mädchenschulhaus.' Am 16.10.1864 fand hier der erste evangelische Gottesdienststatt. Die Festpredigt hielt Dekan Städelen von Meinnungen über 1. Moses 28, 16=17. Der evangelische Pfarrer von Erkheim,



Dr. Volland, hielt von da an jährlich 4, etwas später 12 Gottesdienste. Dieser Pfarrer kann als der erste evangelische Pfarrer von Mindelheim angesehen werden. Von 1877 an verbrachte er seinen Ruhestand hier und erteilte noch bis 1887 den Religionsunterricht für die evangelischen Kinder in Mindelheim. Nach seinem am 29.5.1892 erfolgten Tode wurde er am 31. 5. 1892 im städtischen Friedhof in Mindelheim begraben. Nahezu alle Geistlichen des Dekanats waren anwesend. Von 1867 an hielten die Evangelischen dann über 30 Jahre lang ihre Gottesdienste in einem Saal im 1. Stock des Hospitalgebäudes, jetzt Altersheim, ab. Ein weiterer Fortschritt zur Gemeindebildung trat ein, als am 21. März 1878 die Evangelischen von hier und Umgebung in die Pfarrei St. Martin- 14ernmingen umgepfarrt und zur Filialgemeinde Mindelheim vereinigt wurden. In diesem Jahr beginnen auch die eigenen Kirchenbücher hier. Damals war die Zahl der Evangelischen schon auf 160 angewachsen. In diesem Jahr sind in den Kirchenbüchern 2 Konfirmanden, 2 Taufen und 3 Beerdigungen eingetragen. Nachdem 1891 und 1892 viele Orte im Süden, Westen und Norden, darunter auch Türkheim, hierher ein­gepfarrt worden waren, erfolgte 1894 die Errichtung einer Reiseprediger-stelle Mindelheim. Die Aufgabe des Reisepredigers war die geistliche Versorgung der Evangelischen in ganz Oberschwaben. Vikar Gustav Müller, unser Herr ,;Kirchenrat" Müller, wurde als Reiseprediger berufen. Seiner ersten Predigt hier legte er das Wort 2 Kor. 5, 19-20 zu Grunde. Der Wunsch nach einem eigenen Gotteshaus wurde immer brennender. 1895 fertigte der Baumeister Samuel Striebel einen Plan für den Kirchbau und begann 1897 mit den Arbeiten. Am 8. 9. 1897 fand die feierliche Grundsteinlegung der jetzigen evangelischen Kirche statt. Bei dieser Feier wurde unter dem Singen des Liedes „Großer Gott wir loben Dich" in die westliche Grundmauer des Turms eine Kapsel eingemauert mit folgendem Inhalt: Urkunde der Grundsteinlegung, Verzeichnis der da­maligen Gemeindeglieder, GesanXbuch, ein Bild von Stadt und Schloß und das Programm der Feier. Am 23. 10. 1897 wurde der Dachstuhl aufgerichtet, am 22. Juli 1898 die Kreuzblume auf dem Turm aufgesetzt und 13.9.1898 die 3 Glocken aufgehängt. Sie trugen die Inschriften: Ehre sei Gott in der Höhe — Friede auf Erden — Laßt die Kindlein zu mir kommen. Alle diese Arbeiten konnten ohne jeden Unfall durch­geführt werden, wie die Chronik ausdrücklich meldet. Am 30.10.1898 fand dann die feierliche Einweihung der Kirche statt. Der Erbauer war Maurermeister Samuel Striebel, dessen Name in den 2 von ihm ge­stifteten bunten Fenstern im Chor auf beiden Seiten des Altars fest­gehalten ist. Die ganze Gemeinde zählte damals 250 Seelen. Die Kirchenbücher verzeichnen in diesem denkwürdigen Jahr 8 Taufen, 4 Konfirmanden, 2 Trauungen und, 4 Beerdigungen. Nun hatten die Evangelischen ihr eigenes Zuhause.